 |
Literatur Drucke |
 |
Renate Arnold (= verh. Wißuwa)
Die böhmischen Steige im mittleren Erzgebirge von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis Mitte des 14. Jahrhunderts.
Diplomarbeit an der pädagogischen Hochschule Dresden, 1979
Auszugsweise Abschriften vorhanden, Original bei Frau Arnold/Wißuwa Gornau (1987)
Kommentar:
Ausführliche Straßenbeschreibung der ANTIQUA SEMITA BOHEMORUM, Angaben zur Frühgeschichte.
Interessant, aber sehr weitschweifig.
Zu Punkt 1:
- Straßen/Steige älter als Burgen
- Bauern mußten 1150/1200 Erbzins zahlen, dafür, daß sie das Erbrecht am Hof hatten
- Kolonisation von 1150 ... 1210:
1168 Rodung der Wälder südlich von Rochlitz
1173 Siedler bei Aue (Kloster Zelle)
- Es wird vermutet, daß die Anführer der Siedler=Locatoren später (in ihren Nachkommen) Besitzer der Erbgerichte wurden. Locatoren waren Beaftragte eines adligen Grundherren
- 1 Bauer --> 1 Hufe; 1 Pfarrer, Richter, Adliger --> 2 Hufen
flämische Hufe 16,8 ha, sächs. Hufe 19,9 ha, fränk. Hufe 23,0/27,2 ha (1)
- Abgabenfreiheit ca 10 Jahre lang nach der Besiedlung (?)
Abgaben: Kirchenzehnt, Erbzins, Dienste, Naturalabgaben
Zu Punkt 2
- "Semita" = Fußweg. Ausbau zu Straßen erst viel später. "Wenn man den Wegevelauf verfolgte, stellte man fest, daß die der Überschwemmung ausgesetzten Flußtäler gemieden wurden, da die Wege leicht versumpften und auch zu viele Nebenbäche zu durchqueren waren. Man suchte lieber die leicht austrocknenden, meist steinigen Höhen zwischen den Flüssen längs der Wasserscheiden." (S. 25)
- "Hohlen" (Hohlwege) entstanden an Gefällestrecken durch Wasser auf den unbefestigten Wegen. Meist liegen mehrere nebeneinander, denn wenn ein Hohlweg nicht mehr befahrbar war, fuhr man daneben im Wald lang, bis auch dort wieder ein Hohlweg entstand. Wegeverläufe sind deshalb nicht mehr exakt festlegbar. (2)
- Vier böhmische Steige:
- Ältester Weg (?)
Halle - Merseburg - Altenburg - die Mulde - Zwickau - Zschocken - Hartenstein - Grünhain - Elterlein - (Schlettau) - Kühberg bei Bärenstein - Paß bei Prisecnice
- Großer Weg
Remse bei Waldenburg, Oberlungwitz, Niederwürschnitz - Stollberg - Thalheim - Ehrenfriedersdorf - Wolkenstein - Wolfsberg - Paß bei Reitzenhain
- Antiqua Semita
Rochlitz - Chemnitz - Hilbersdorf - Adelsberg - Altenhain - Dittmannsdorf - (oder von Chemnitz über schwarzes Holz - Gornau) - Zschopau - Johannisstraße - Weg am Zschopenberg - Rote Pfütze - Pfützenteich - Lauterbach - Lauterstein - nidberg - Zöblitz - Paß in Hradschin bei Rübenau
- Ibrahims (3) Straße
Nerchau bei Wurzen - Leisnig - Sayda - Most
Zu Punkt 3
- Straßen/Steige sind älter als Burgen. Burgen um 1150 - 1200 gegründet, das ist durch Grabungen und Scherbenfunde gesichert.
- Siedler folgten bei besiedlung böhmischen Steigen. Diese wurden mit der Zeit zu Straßen
- Nidberg-Erbauer war wahrscheinlich Wernher von Erdmannsdorf
- Diese genaue Angabe mit Kommastelle mag ein Landesdurchschnitt sein, sagt aber gewiss nichts über die Größe der einzelnen Hufe aus; denn diese Größe schwankte zwischen (vielleicht) 18 und 25 ha. Und zwar in einem Dorf! Bei schlechtem und hängigem Land machte man die Hufe zum Ausgleich halt etwas größer.
- Uns fehlt nicht das Wissen, wo Wege exakt lagen. Wege lagen damals nie exakt ...
- Eine mir nicht genauer bekannte Quelle meldet, dass noch vor dem Jahr 1000 der Händler Ibrahim ibn Jacub aus dem Orient das heutige Erzgebirge überquerte