Geschichte des Ortes Oberlungwitz
Martin Friedemann, ohne Datum (gefunden 08/2000)

Gründung

Dichter Urwald, Miriquidi genannt, bedeckte vor ca.1000 Jahren unsere Heimat. Der Name Miriquidi bedeutet soviel wie Dunkelheit.Etwa im 6. Jahrhundert drangen slawische Volksstämme, vor allem Sorben aus dem Osten vor und erreichten schließlich die Saale und auch die Mulde und damit unser Gebiet.
Als Ursprungssiedlung der Sorben kann der Hirschgrund angesehen werden. Bei Bodengrabungen zeigten sich dort Spuren von alter Niederlassungen. Das weitere vordringen slawischer Stämme in westliche Richtung wurde in kriegerischen Auseinandersetzungen mit fränkischen Heeren unter Führung eines Enkels Karls des Großen verhindert, bis schließlich Kaiser Heinrich I. in der ersten Hälfte des 10 Jh. die völlige Unterwerfung der Sorben gelang, die damit die deutsche Herrschaft anerkennen mußten. Noch im 11 Jh. war unsere Gegend herrenloses Land, um das sich die Bischöfe von Naumburg und Merseburg sowie Graf Wiprecht von Groitzsch stritten, bis schließlich der Naumburger Bischof sich des westlichen und südlichen teils bemächtigte, den Osten (Oberlungwitz, Waldenburg) beeinflußte der Bischof von Meißen, den Norden Wiprecht von Groitzsch. Auf Veranlassung des Wiprecht von Groitzsch führte ein unbekannter  Lokator (Ritter, der von geistlichen oder weltliche Herrschern mit der planmäßigen Besiedlung beauftragt wurde) etwa 40 Rhein- und Mainfranken herbei, die grozügig mit Land bedacht wurden und ein doppeltes Reihendorf zu beiden Seiten des Lungwitzbaches gründeten. Der Lokator baute einen Hof, das spätere Rittergut, das Gelfrat von Hugwitz bis 1273 in Lehen hatte. Das Rittergut bestand aus zwei, eine Viertelstunde Fußweg voneinander entfernten Stücken. Als älteste Besitzer von Oberlungwitz gelten die Herren von Waldenburg. Sie waren bis in 14. Jh. eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Sachsens. Unnarck, gennant von Waldenburg, verschenkte 1273 das Rittergut von Oberlungwitz an das Kloster Grünhain im Erzgebirge, um dadurch die Vergebung der Sünden seines Geschlechtes zu erlangen und von solchen frei zu bleiben. Durch diese Schenkung trat eine Teilung des Ortes in zwei Gemeinden ein: Atei zu Grünhain und Oberlungwitz zu Schönburg gehörig. Diese Schenkung ist 1273 dokumentiert und damit zugleich die erste urkundliche Erwähnung von Oberlungwitz. Wann Oberlungwitz wirklich
gegründet wurde, wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis bleiben.

Hussitenkrieg

Da durch Oberlungwitz die große Heerstraße führte, hatte der Ort schon in frühesten Zeiten unter Truppenbewegungen zu leiden. Zu den ältesten Ereignissen dieser Art zählte der Hussitenkrieg. Anfang des 14 Jh. trat neben der allmählichen Auflösung des deutschen Kaisertums ein Verfall der Kirche ein, eine Kirchenreform machte sich immer dringender notwendig.
Dafür kämpfte der böhmische Reformator Han Hus (1369-1415) . Er wurde 1393 zum Priester geweiht und 1398 bekam er seinen Doktortitel in Theologie zuerkannt. Allerdings aufgrund seiner in deutschen Augen ketzerischen Schriften wurde in Deutschland der Ketzterei angeklagt und zum Tode verurteilt. In Böhmen löste die Nachricht von seinem Tode eine Protestwelle aus, die schließlich in der Hussitenbewegung mündete und zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte.
1429 zog ein solches hussitisches Heer durch Sachsen und plünderte und brandschatzte ganze Ortschaften.
Dabei sind Jäcksdorf und Kirchberg untergegangen. Die Gebiete dieser Dörfer wurden an umliegende Ortschaften verkauft, darunter auch Oberlungwitz.

Kretzschame

In Verbindung mit den größten Gütern standen die Erbkretzschame(slawisch für Dorfschenke). Oberlungwitz besaß derer drei und Abtei eine. Die Kretzschamen dienten zuerst als Gerichts- und Thingstätte(Versammlungstätte) und wurden erst nach und nach als Dorfschenken genutzt. Der obere Kretzscham befand sich nach heutiger Bezeichnung auf der Hofer Straße 219. Erstmalige Erwähnung erfolgte 1492, der Gasthofbetrieb wurde 1850 in den neuerbauten "Grauen Wolf" verlegt. Im Jahre 1930 wurde dieses Gasthaus als "Einsiedler" wiedereröffnet. Im Saal war ein Kino eingebaut worden, "die Apollo-Lichtspiele", dei bis 1963 bestanden. 1973 wurde der "Einsiedler" geschlossen.
Im mittleren Kretzscham befand sich bis 1888 die Post, deßhalb auch der spätere Name "Postgut". Im 18 Jh. übernahm die Familie Herold den Gasthof. Nach einem Brand im Brauhaus 1845 wurde die Gastwirtschaft in ein neues Gebäude, heute Hofer Straße 36, verlegt.
Der niedere Kretscham existierte schon zu Luthers Zeiten. Bei einem Unwetter im Jahre 1693 ertranken in diesen Gebäude einige Tiere. Von 1805-1815 betrieb die Wirtschaft Johann Wolfgang Riedel. In dieser Zeit wurde er "Zum schönen Hirsch" umbenannt. Die Schließung erfolgte 1991.
Der Abteier Kretzscham, ein sehr alter Gasthof mit Braurecht, wird das erste Mal vor 1480 genannt. Er befand sich auf dem Grundstück der Abteistraße, Einmündung Abteiberg. Da über der Eingangstür des Wohnhause lange Zeit ein Lamm aus Metall hing, wurde daher(wahrscheinlich) der Name "Lamm" 1792 übernommen. Als 1884 das Saalgebäude abbrannte, wurde drei Jahre später ein neuer größerer Gasthof "Zum Lamm" an der heutigen Hofer Straße 64 erbaut, der 1947 geschlossen wurde und später als Verkaufseinrichtung diente(heute wieder!!!).

Die Reformation in Oberlungwitz

Der Begriff "Reformation" stammt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie Erneuerung oder Verbesserung. Im 16 Jh. ging von der sächsischen UNI Wittenberg aus kleinen Anfängen heraus eine große relegiöse Bewegung hervor, welche die Herausbildung des Protestantismus zur Folge hatte. Die erste Kunde von der Lehre Martin Luthers kam von Zwickau her nach Oberlungwitz, als Luther im April 1522 dort die Abkehr vom Papsttum öffentlich verkündete. Um an Geld für den Bau der Peterskirche zu kommen schrieb Papst Leo X. den Ablaß aus. Einer der eifrigsten Verkäufer solcher Ablaßbriefe war der Dominikanermönch Johann Tetzel aus Pirna. Im Jahre 1509 kam er auch ins Schönburgsche um die Werbetrommel zu rühren. Diese Verkäufe waren der letzte Anstoß für Martin Luther seine 95 Thesen zu veröffentlichen und damit zum Begründer des Protestantismus zu werden. Die Reformation breitete sich in wenigen Jahren über ganz Deutschland aus. Die Entscheidung darüber, ob das Volk katholisch blieb oder evangelisch wurde, hing vom Landesfürsten ab. 1527 gewann die Reformation in Abtei die Oberhand. Abtei schloß sich kirchlich der Gemiende Ursprung an, welche einen evangelischen Geistlichen angestellt hatte. Infolge der Reformation wurde das Kloster Grünhain aufgelöst und deren Besitztümer fielen an das Kurfürstentum Sachsen. Verhälnismäßig spät wurde in Oberlungwitz die Reformation eingeführt. Das lag nicht etwa an der Kirchgemeinde, sondern vielmehr am Patronatsherrn der Kirche, Ernst von Schönburg. Er befürchtete, die Herrschaft des Feudaladels könnte die kirchliche Reformation in Gefahr geraten. Die Schönburger versuchten es deßhalb in ihren Herrschaftsbereich zu unterdrücken. Aber 1525 wurden die Bauern im ganzen Land rebellisch. Erst nach dem Tode von Ernst von Schönburg und die schärfsten Reformationsgegner Herzog Georg von Sachsen und Burggraf Hugo von Leisnig gestorben waren. So wurde Oberlungwitz erst 1542 evangelisch. 1592 gelangte Abtei durch eine Tausch an das Haus Schönburg. Obgleich nun beide Gemeinden schönburgisch waren blieben sie bis 1890 politisch und kirchlich eigenständig.