Gründung
Dichter Urwald, Miriquidi genannt, bedeckte vor ca.1000 Jahren unsere
Heimat. Der Name Miriquidi bedeutet soviel wie Dunkelheit.Etwa im 6. Jahrhundert
drangen slawische Volksstämme, vor allem Sorben aus dem Osten vor
und erreichten schließlich die Saale und auch die Mulde und damit
unser Gebiet.
Als Ursprungssiedlung der Sorben kann der Hirschgrund angesehen werden.
Bei Bodengrabungen zeigten sich dort Spuren von alter Niederlassungen.
Das weitere vordringen slawischer Stämme in westliche Richtung wurde
in kriegerischen Auseinandersetzungen mit fränkischen Heeren unter
Führung eines Enkels Karls des Großen verhindert, bis schließlich
Kaiser Heinrich I. in der ersten Hälfte des 10 Jh. die völlige
Unterwerfung der Sorben gelang, die damit die deutsche Herrschaft anerkennen
mußten. Noch im 11 Jh. war unsere Gegend herrenloses Land, um das
sich die Bischöfe von Naumburg und Merseburg sowie Graf Wiprecht von
Groitzsch stritten, bis schließlich der Naumburger Bischof sich des
westlichen und südlichen teils bemächtigte, den Osten (Oberlungwitz,
Waldenburg) beeinflußte der Bischof von Meißen, den Norden
Wiprecht von Groitzsch. Auf Veranlassung des Wiprecht von Groitzsch führte
ein unbekannter Lokator (Ritter, der von geistlichen oder weltliche
Herrschern mit der planmäßigen Besiedlung beauftragt wurde)
etwa 40 Rhein- und Mainfranken herbei, die grozügig mit Land bedacht
wurden und ein doppeltes Reihendorf zu beiden Seiten des Lungwitzbaches
gründeten. Der Lokator baute einen Hof, das spätere Rittergut,
das Gelfrat von Hugwitz bis 1273 in Lehen hatte. Das Rittergut bestand
aus zwei, eine Viertelstunde Fußweg voneinander entfernten Stücken.
Als älteste Besitzer von Oberlungwitz gelten die Herren von Waldenburg.
Sie waren bis in 14. Jh. eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Sachsens.
Unnarck, gennant von Waldenburg, verschenkte 1273 das Rittergut von Oberlungwitz
an das Kloster Grünhain im Erzgebirge, um dadurch die Vergebung der
Sünden seines Geschlechtes zu erlangen und von solchen frei zu bleiben.
Durch diese Schenkung trat eine Teilung des Ortes in zwei Gemeinden ein:
Atei zu Grünhain und Oberlungwitz zu Schönburg gehörig.
Diese Schenkung ist 1273 dokumentiert und damit zugleich die erste urkundliche
Erwähnung von Oberlungwitz. Wann Oberlungwitz wirklich
gegründet wurde, wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis
bleiben.
Hussitenkrieg
Da durch Oberlungwitz die große Heerstraße führte,
hatte der Ort schon in frühesten Zeiten unter Truppenbewegungen zu
leiden. Zu den ältesten Ereignissen dieser Art zählte der Hussitenkrieg.
Anfang des 14 Jh. trat neben der allmählichen Auflösung des deutschen
Kaisertums ein Verfall der Kirche ein, eine Kirchenreform machte sich immer
dringender notwendig.
Dafür kämpfte der böhmische Reformator Han Hus (1369-1415)
. Er wurde 1393 zum Priester geweiht und 1398 bekam er seinen Doktortitel
in Theologie zuerkannt. Allerdings aufgrund seiner in deutschen Augen ketzerischen
Schriften wurde in Deutschland der Ketzterei angeklagt und zum Tode verurteilt.
In Böhmen löste die Nachricht von seinem Tode eine Protestwelle
aus, die schließlich in der Hussitenbewegung mündete und zu
kriegerischen Auseinandersetzungen führte.
1429 zog ein solches hussitisches Heer durch Sachsen und plünderte
und brandschatzte ganze Ortschaften.
Dabei sind Jäcksdorf und Kirchberg untergegangen. Die Gebiete
dieser Dörfer wurden an umliegende Ortschaften verkauft, darunter
auch Oberlungwitz.
Kretzschame
In Verbindung mit den größten Gütern standen die Erbkretzschame(slawisch
für Dorfschenke). Oberlungwitz besaß derer drei und Abtei eine.
Die Kretzschamen dienten zuerst als Gerichts- und Thingstätte(Versammlungstätte)
und wurden erst nach und nach als Dorfschenken genutzt. Der obere Kretzscham
befand sich nach heutiger Bezeichnung auf der Hofer Straße 219. Erstmalige
Erwähnung erfolgte 1492, der Gasthofbetrieb wurde 1850 in den neuerbauten
"Grauen Wolf" verlegt. Im Jahre 1930 wurde dieses Gasthaus als "Einsiedler"
wiedereröffnet. Im Saal war ein Kino eingebaut worden, "die Apollo-Lichtspiele",
dei bis 1963 bestanden. 1973 wurde der "Einsiedler" geschlossen.
Im mittleren Kretzscham befand sich bis 1888 die Post, deßhalb
auch der spätere Name "Postgut". Im 18 Jh. übernahm die Familie
Herold den Gasthof. Nach einem Brand im Brauhaus 1845 wurde die Gastwirtschaft
in ein neues Gebäude, heute Hofer Straße 36, verlegt.
Der niedere Kretscham existierte schon zu Luthers Zeiten. Bei einem
Unwetter im Jahre 1693 ertranken in diesen Gebäude einige Tiere. Von
1805-1815 betrieb die Wirtschaft Johann Wolfgang Riedel. In dieser Zeit
wurde er "Zum schönen Hirsch" umbenannt. Die Schließung erfolgte
1991.
Der Abteier Kretzscham, ein sehr alter Gasthof mit Braurecht, wird
das erste Mal vor 1480 genannt. Er befand sich auf dem Grundstück
der Abteistraße, Einmündung Abteiberg. Da über der Eingangstür
des Wohnhause lange Zeit ein Lamm aus Metall hing, wurde daher(wahrscheinlich)
der Name "Lamm" 1792 übernommen. Als 1884 das Saalgebäude abbrannte,
wurde drei Jahre später ein neuer größerer Gasthof "Zum
Lamm" an der heutigen Hofer Straße 64 erbaut, der 1947 geschlossen
wurde und später als Verkaufseinrichtung diente(heute wieder!!!).
Die Reformation in Oberlungwitz
Der Begriff "Reformation" stammt aus dem Lateinischen und heißt
soviel wie Erneuerung oder Verbesserung. Im 16 Jh. ging von der sächsischen
UNI Wittenberg aus kleinen Anfängen heraus eine große relegiöse
Bewegung hervor, welche die Herausbildung des Protestantismus zur Folge
hatte. Die erste Kunde von der Lehre Martin Luthers kam von Zwickau her
nach Oberlungwitz, als Luther im April 1522 dort die Abkehr vom Papsttum
öffentlich verkündete. Um an Geld für den Bau der Peterskirche
zu kommen schrieb Papst Leo X. den Ablaß aus. Einer der eifrigsten
Verkäufer solcher Ablaßbriefe war der Dominikanermönch
Johann Tetzel aus Pirna. Im Jahre 1509 kam er auch ins Schönburgsche
um die Werbetrommel zu rühren. Diese Verkäufe waren der letzte
Anstoß für Martin Luther seine 95 Thesen zu veröffentlichen
und damit zum Begründer des Protestantismus zu werden. Die Reformation
breitete sich in wenigen Jahren über ganz Deutschland aus. Die Entscheidung
darüber, ob das Volk katholisch blieb oder evangelisch wurde, hing
vom Landesfürsten ab. 1527 gewann die Reformation in Abtei die Oberhand.
Abtei schloß sich kirchlich der Gemiende Ursprung an, welche einen
evangelischen Geistlichen angestellt hatte. Infolge der Reformation wurde
das Kloster Grünhain aufgelöst und deren Besitztümer fielen
an das Kurfürstentum Sachsen. Verhälnismäßig spät
wurde in Oberlungwitz die Reformation eingeführt. Das lag nicht etwa
an der Kirchgemeinde, sondern vielmehr am Patronatsherrn der Kirche, Ernst
von Schönburg. Er befürchtete, die Herrschaft des Feudaladels
könnte die kirchliche Reformation in Gefahr geraten. Die Schönburger
versuchten es deßhalb in ihren Herrschaftsbereich zu unterdrücken.
Aber 1525 wurden die Bauern im ganzen Land rebellisch. Erst nach dem Tode
von Ernst von Schönburg und die schärfsten Reformationsgegner
Herzog Georg von Sachsen und Burggraf Hugo von Leisnig gestorben waren.
So wurde Oberlungwitz erst 1542 evangelisch. 1592 gelangte Abtei durch
eine Tausch an das Haus Schönburg. Obgleich nun beide Gemeinden schönburgisch
waren blieben sie bis 1890 politisch und kirchlich eigenständig.