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Das Suppenland und andere Geschichten |
Die silbernen Zeiten waren im Erzgebirge lange vorbei. Und was sich Gründerzeit nannte, war in den Dörfern im Gebirge kaum zu bemerken.
1883 schloß auch noch das Krumhermersdorfer Bergwerk!
Seit über 100 Jahren verdienten sich die meisten Krumhermersdorfer mit der Herstellung von Strümpfen schlecht und recht ihr Geld. Auf hölzernen "Stühlen" wurden in Heimarbeit Strümpfe "gewirkt". 1721 hatte sich bereits ein Strumpfwirker im Ort niedergelassen;
doch was zunächst ein nettes Zubrot war, wandelte sich zu rechter Knechtsarbeit für die Strumpfwirker, als viel billigere maschinengewirkte Strümpfe aufkamen. Für immer mehr Strümpfe zahlte der Verleger immer weniger, und 1888 schließlich hieß es vielmals: Kein Bedarf!
Beim Bauern arbeiten? Fehlanzeige! Zwischen 5 und 40 Hektar hatten Krumhermersdorfer Bauern, reine Familienbetriebe also, die nur selten genug abwarfen für zusätzliche Arbeiter. Erst recht nicht im kalt-nassen Jahr 1888!
Der saure '88-er Wein
Aber der Grünberger
Der Züllichauer!
Und erst der Bomster Wein!
(aus: J. Trojan, die 88er Weine) |
"wer nichts ergaunert hatte oder ererbt,
blieb'n armer Hund bis er sterbt".
Es ist eine richtige Notzeit, eine Krise, stellte der Gemeinderat fest. Wenn wir nur reden, werden einige sozial schwierige Leute - im Klartext: Arme Leute - im Ort verhungern. (Tatsächlich, das wurde offiziell so festgestellt!)
Man sammelte deshalb Spenden bei den Reicheren und bei der vorgesetzten Behörde. Man höre: Zwickau spendete 600 Mark - für die damalige Zeit eine erkleckliche Summe, an die man nach heutigem Maßstab mindestens eine Null anhägen müßte, vielleicht sogar zwei.
"Edle Menschenfreunde" spendeten Kohlen und Kartoffeln, die Gemeinde das Wasser und so wurde vier Wochen lang Suppe gekocht für die Ärmsten der Armen. Und zwar ohne lange Bedürftigkeits-
Ein wenig neidvoll sahen es die armen Leute der anderen Orte, ein wenig hämisch die besser Betuchten in der Umgebung:
Ach, aus dem Suppenland bist du? Na da ...
Und so hat es sich gehalten bis heute: Wer einen Krumhermersdorfer (aber es muß schon ein richtiger Ureinwohner sein, so mit sieben Generationen alle von hier) necken oder aufziehen will, fragt ihn am besten, wie es um die Suppe steht ...