Der oben erwähnte Unarch von Waldenburg war der Herr von Wolkenstein und Scharfenstein; er (wenn nicht sein Vater) wird schon im Jahre 1273 als Landrichter im Pleißner Lande, wo er einen Klosterstreit schlichtete, genannt (1). Da die von Waldenburg die späteren Herren von Zschopau sind, verdienen sie wohl, daß wir uns ein wenig mit ihnen beschäftigen.
Wann die Waldenburge nach Wolkenstein und Scharfenstein gekommen sind, habe ich nicht erfahren können. 1241 haben sie die Herrschaft Wolkenstein besessen (2). Im Jahre 1273 schenkte der oben erwähnte Unarch von Waldenburg dem Kloster Nimptschen bei Grimma "den Berzehenden von den Gebürgen der Herrschaft Wolkenstein" (3), 1293 tat er dies auf ewige Zeiten (4). (Da der Berzehnte nur von den auf Halden geschütteten Erzen genommen wurde, so muß schon damals der Bergbau um Wolkenstein ergiebig gewesen sein. (1)) Noch viele Male wurden "Waldenburge" erwähnt: So Heinrich von Waldenburg, der im Jahre 1316 dem Chemnitzer Kloster Helbigsdorf schenkt (5). Derselbe gibt 1317 dem Kloster Chemnitz das Dorf Altenhain, welches der Abt von Ulrich von Uwa gekauft hatte, in Lehn (6). 1322 belehnt derselbe den Abt zu Chemnitz mit Dittmannsdorf (7). 1372 wird Hans der Ältere als Herr von Greifenstein erwähnt (8). Den 13. Dezember1375 verkauft "Hans der Elder von Waldenburg" mit Einwilligung seiner Söhne, Hans und Unarch, die Herrschaft Rabenstein und das halbe Dorf Hartmannsdorf bei Freiberg 1700 Schock Groschen guter Freiberger Münze an den Abt heinrich; eine ganz bedeutende Erwerbung des Klosters Chemnitz (9). "Im Jahre 1373 Mittwoch nach invencione crucis stiftete Hans der Elder, Herre zu Waldenburg und (H)er Albrecht Burgkgrave von Lißnig zur Verbüßung für die Totschläge 110 Schock Groschen zu einer ewigen Seelenmesse in der Hauptkirche zu St. Jacob in Chemnitz." (10).
Donnerstag vor Pfingsten 1381 heiligten und widmeten Herr ... und Herr Georg, als Söhne der Kirche zu Ehrenfriedersdorf die Dörfer Berbisdorf und Eybenberg, so bey der Stadt Chemnitz gelegen und in der Kirche "zu Harte" eingepfarrt sind, zu einer ewigen Frühmesse. Dabei waren Zeugen: (H)er Albrecht, Burggraf von Leisnig, Herr zu der Zschopa, sein lieber Oheimb, danach seine Mannen, seine lieben Getreuen, Heydenreich von der Wiesen, Hans Crone, Heinrich von Wittig, Hensel Stange und sein Caplan, (H)er Johannes, Pfarrer zu Wolkenstein (11). Hier treten zunächst die Burggrafen von Leisnig als Herren von Zschopau auf. Desgleichen in einer Urkunde vom 8. Tag des Monats Mai 1383, laut welcher "Johannes der Eldere, Herr von Waldenburg, und Johannes und Marcus, dessen Erben, das Dorf Meynersdorf um 84 Schock freiberger Groschen an Nickel und Matthias, die Ortwyne zu Chemnitz, das diese der Kirche zu St, Jacob gestiftet, verkauften und zueigneten." Als Zeugen sind angeführt: Herr Heinrich Abt und Archidiakonus zu Kempnitz, Herr Albrecht von Leißnigk, Herr zur Zschopen (12).
Kaiser Friedrich I. hatt im Jahre 1158 die Burggrafschaft (13 Leisnig errichtet, nachdem der Gemahl der Enkelin Wiprechts von Groitz die Schlösser und Städte Leisnig, Kolditz, Lausigk, Schkölau, Gleisberg, Mohrungen und Gonzege ihm für 500 Mark Silbers verkauft hatte (14). Sie bestand bis zum Jahre 1365, da kam die Burg, infolge einer Fehde des Burggrafen Heinrich gegen das Kloster Buch, an den Markgrafen von Meißen (15); das Burggrafenamt ging ein. Wenn trotzdem noch Burggrafen von Leisnig genannt werden, so sind dies nur "Titular-Burggrafen".
Wie die Burggrafen von Leisnig in den Besitz von Zschopau kamen, läßt sich nicht nachweisen. - wir finden nun die Burggrafen von Leisnig und die von Waldenburg als Nachbarn und als Verwandte, wenn auch die Stelle der oben angeführten Urkunde "mein lieber Oheimb" nicht hierauf zu deuten ist, da dies in der damaligen Zeit nur ein Formel des herrschenden Curialstils war.
Vom Könige Adolf waren den Burggrafen Meinher von Meißen und Albert von Leisnig, sowie Anarg von Waldenburg und Heinrich von Kolditz die Bergwerke zu Freiberg um 3000 Mark Silber verpfändet (16). In der "Rabensteiner Fehde" tritt uns als Anstifter und Leiter derselben Albert, Burggraf zu Leisnig und Herr zu Rochsburg, der mit dem Verkaufe Rabensteins nicht einverstanden ist, als Schwiegersohn des Hans von Waldenburg entgegen. (17)
Im Jahre 1392 den 11. Juni (18) bezeugt bei seinem Eide der Burggraf Albrecht von Lissenig, gesessen zu der Szahpe, dem Markgrafen Wilhelm, "daß das Dorf Gröbe mit Gericht und Diensten dem Markgrafen zu Meißen gehört habe und was diesseits des Wassers der Tolnitz liege, von denen Markgrafen zu Lehn gehe"
Wenn nun in dem am Tage vor Palmarum 1406 ausgestellten Lehnbriefe (19) des Markgrafen Wilhelm als gesamte Lehen Anargs, des Herrn von Waldenburg, Wolkenstein, Scharfenstein, Rawenstein (Rauenstein) und Czschape mit ihren Schlössern und Städten bezeichnet werden, so entsteht die Frage: Wie kommen die von Waldenburg auf einmal in den Besitz von Zschopau? Meines Erachtens nach haben die Herren von Waldenburg Zschopau eher besessen als die Burggrafen von Leisnig oder wenigstens mit ihnen zugleich, und nur durch Verheiratung oder Hinauszahlung kam Zschopau, vielleicht gar nur als Pfand in die Hände der letzteren. Die Herren von Waldenburg waren noch 1238 Vasallen des Königs von Böhmen (20); vielleicht war Zschopau schon unter Friedrich dem Gebissenen, als der Böhmenkönig Reichsvikar war und ganz Meißen ihm als Ober-Lehnsherrn huldigen mußte (21), vom Böhmenkönige denen von Waldenburg übergeben worden; vielleicht auch war es ihnen von Seiten des Königs Adolf verpfändet mit Freiberg; wahrscheinlicher aber noch ist es, daß der Markgraf Friedrich der Ernsthafte es als Entschädigung gab für die Anwartschaft auf Waldenburg und Rabenstein für den Fall des Todes Adamants von Waldenburg (22). Oder sollte es den Burggrafen von Meißen und Leisnig und dem Herrn von Kolditz von Friedrich dem Freidigen verpfändete Stadt sein? (23)
Aus dem Jahre 1407 existiert eine Urkunde über einen Vertrag Anargs und Hirachs von Waldenburg mit dem Markgrafen von Meißen über die in ihrer Herrschaft gelegenen Bergwerke, Geschlossen wurde der Vertrag am Tage St. Galli 1407 und nicht wie Simon und Meinhold (24) angeben, im Jahre 1395 oder gegen das Ende des 14. Jahrhunderts (25). Zugleich will ich noch bemerken, daß die von beiden buchstäblich citierte Urkunde vom Jahre 1478 nicht ein Bergwerk in Zschopau, sondern ein solches in Hopfgarten betrifft (26). Das Versehen Simons ist sicher daraus entstanden, daß die Gewerkschaft ihren Sitz in Zschopau hatte. Die Grube selbst gehörte zum Bergwerk Drebach.
Erst im Jahre 1414 finden wir zwei Urkunden (27) über den Verkauf von Schloß und Stadt "Zschope und Geilnaw dacz dorff halp".
Die erste vom 6. Juni enthält eine Bürgschaft, daß der wirkliche Kauf zu Michaeli desselben Jahres abgeschlossen werden soll. Als Bürgen treten auf mit dem Versprechen des Einreitens (28) Heinrich von Waldenburg, her czu Wolkensteyn, vnser liber vetter, und die gestrengen Hans von Widebach geseßin czu fenichbergk, Nickel Stange, geseßin czu Trethebach und Hans kro geseßin czu Rückerswalde.
Der eigentliche Kauf wurde den 25. November 1414 in Zschopau abgeschlossen: "Anarg von Waldenburg, Herr czu Wolkensteyn verkaufft Albrechten, Burggrafen von Leißnig und Herrn zu Rochsburg, Schloß und Stadt Tzschope und das Dorf Geilnaw halp" samt Zubehör für 2000 Röm. Gulden. Ausgenommen war nur die hohe Jagd; sie sollte erst mit dem Markgrafen Friedrich, soweit das Gebiet derer von Waldenburg mit dem markgräflichen grenzte, näher bestimmt werden und zwar innerhalb dreier Jahre. In dieser Urkunde werden auch einige Schlösser erwähnt, die damals die Burggrafen von Leisnig besaßen. Anarg von Waldenburg hatte nämlich bei dem Verkaufe sich und seinen Erben das Wiederkaufsrecht vorbehalten - "vnd das Dorff halp widder kouffin woldin, das solln wir den obergenannten edeln ern Albrecht Burggraffe von lißenig syne erben vnd erb neme Vnser liben oheme eyn halp jar czuuorsagn vnd verkundigen vnd dornoch vff den nechst set michaeltag nach der vorbedinge adir bynne den nechstfolgenden vir wochin dornoch dy vorgenannthe czweytusend römsche gulden in der stad czu penig czvmy Lautersteine oder czuSwarzenberg in welchen der diser Slaße eyne sy das habn vnd neme woldin" etc. - und, wie wir hier lesen, sich verbindlich gemacht, die 2000 fl. Kaufsumme wieder zurückzuzahlen mit Freistellung des Orts, wo das geschen solle, ob in der Stadt Penig, oder zu Lauterstein, oder zu Schwarzenberg, wo "sy dos habn vnd neme woldin". Das Wiederkaufsrecht galt nur auf drei jahre. "Were adir das wir dy vorgenannthe czweytusend gulden vff den vßgesetzten tag das ist set michael tag, der von deme nechst vergangnen set michael tag vbir drey jar czukunfftig wirt adir bynnen den nechst folgenden vir wochin dornoch nicht beczaln vnd an der beczalung - So soll das vorguthe Slaß Stad vnd Dorff halp der vffguthen edeln ern Albrecht von lißenig syne erbin vnd erbneme vnßern liben oheme mit allen czugehorungen alczo vorgeschriben stet, rechtis erbe seyn vnd bliben etc." Der Schluß der Urkunde lautet: "Das hat der hochgeborne furste vnd her er fridrich lantgraff In Doringen vnd marckgraff czu missen der eldere vnßer gnedig her vor deme vnd syn rethen alle dy vorgesehn stucke vnd artikul gehandelt vnd geteidinget sint, Durch vnßer vnd des edeln ern Albrecht burcgraff von lißnig vnßers ohemlicher wille syn sigel by das vnsere neben an dissen vnsern vffn briff laßn hengen. Der gebin ist nach gots geburd virczenhundert in deme viczenden jare am Sntag an set katharine tag der heiligen jngfrawin."
Der Rückkauf muß in der That stattgefunden haben; denn in dem Vertrage des Burggrafen Heinrich I. von Meißen und Herrn von Plauen mit Herzog Friedrich zu Sachsen über das Burggrafthum Meißen, dem berühmten Arnshauger Vertrage (29) vom 7. September 1428 finden wir als Zeugen "dobey sint gewest vnd geczeuget die wolgebornen Edeln und gestrengen Graue Heinrich Swarczpurg herre czu Arnstet und Sundirshausen, [H]Er Albrecht Burcgraue von leisiecke vnd herre czu Rochsperg, [H]Er Anarg von Waldenburg herre czur Czschape - - ". Fast zu der selben Zeit kommt dieser Anarg von Waldenburg noch zweimal vor; einmal am 20. April 142# und das andere Mal den 5. Januar 1429 (30), und jedesmal als Herr zu Czschape.
"Am Sonntage Oculi 1431 leihen Friedrich und Sigmund Gebrüder, herzoge zu Sachsen Annen und Helenen des edlen Hern von Waldenburg, Herrn zu Wolkenstein, Scharfenstein, Rawenstein und Czschape" dergestalt, daß sie solche "nach ihres Vaters Tode haben, besitzen und gebrauchen mögen" (31). Es sind dies nicht die Töchter Anargs, sondern eines Heinrich von Waldenburg. Dieser Heinrich von Waldenburg war der Schwager des letzten Burggrafen von Meißen aus der Familie der Meinheringer, der in der Schlacht bei Außig den 15. Juni 1426 gefallen war und keine Kinder hinterließ. Seine älteste Schwester Constantia war mit Heinrich von Waldenburg seit 1408 vermählt.
Nach Erledigung der Burggrafschaft Meißen setzte sich Kurfürst Friedrich der Streitbare als Landesherr in den besitz derselben und ließ sich von der Mannschaft huldigen. Der König Sigismund aber erklärte das Burggraftum Meißen als erledigtes Reichslehen und belehnte damit zu Blindnburg in Ungarn am 21. Juli 1426 Heinrich von Plauen. An demselben Tag noch erließ er an den Kurfürsten Fireidrich den Streitbaren den Befehl, "den neuen Burggrafen zu installiren" (32). Dies führte, da der neue Burggraf nicht nur die zur Burggrafschaft Meißen gehörigen Lehen, sondern auch die von den Markgrafen im Laufe der Zeit erworbenen Güter als burggräfliches, d.h. reichsunmittelbares Lehen in Anspruch nahm, und der Kurfürst die ganze Burggrafschaft als ihm heimgefallen betrachtete, zu einem Streite, der erst mit dem Aussterben der älteren Linie des Hauses Platten(den 22. Januar 1572) sein Ende erreichte. Der Hauptteil des Streites ist die "Frauensteiner Fehde". Den 11. März 1438 wurde der Kampf um Frauenstein eröffnet. Damals ist auch die hiesige gegend heimgesucht worden, denn die Honsberge auf Lichtenwalde (33) waren Vasallen des Burggrafen von Meißen (der Kurfürst verklagte den Burggrafen auf dem Reichstage zu Frankfurt unterm 11. März 1438 wegen Friedensbruchs, weil er ihm, seinem Lehnsherrn, ungeachtet des Waffenstillstandes und ohne ihm vorher abgesagt zu haben unter dem Schellenberge (34) aufgelauert habe) und die Herren von Waldenburg, Leisnig, Schöburg, Weida, Gera und die Reußen waren Verbündete des Burggrafen. Auf Seiten des Markgrafen standen die Bischöfe von Magdeburg, Merseburg, Naumburg und Wurzen, der Landgraf Ludwig von Hessen, die Grafen zu Katzenellenbogen und Ziegenhain, Nassau, Sayn, Waldeck, Solms, Spielberg, W...enstein, Henneberg, der Graf von Schwarzburg mit fast fünfzig namhaften Vasallen, ca. 150 thüringische Vasallen und alle sächsischen, die nicht besonders genannt sind. Der Burggraf fand außer den oben ganannten Verbündeten noch vielfach Unterstützung vom böhmischen Adel. Schließlich bot der Ausspruch König Albrecht II zu Preßburg [Bratislava] einen Anhalt zu weiteren gütlichen Verhandlungen; aber erst am 21. Juni 1440 kam es zu einer Einigung (in Zwickau). Möglich ist es, daß dieser Streit den Kurfürsten veranlaßte, den Abt von Hersfeld, Konrad, zu bestimmen, die Lehen des Stifts Hersfeld, nämlich den roten Turm etc. zu erneuern.
Im Jahre 1451 verkaufet Kurfürst Friedrich Schloß und Stadt"Zschape vor 1000 fl. [Gulden] gut an Gelde und gänge vnd gabe im LandeMeißen", auf einen Wiederkauf, an Hans und Heinrich von Wysenbach, Gebrüder, und schläget noch 200 Schock schildechter Groschen, welche er ihnen wegen Verwaltung des Schlosses Königstein schuldig, zu dieser Summe (35)
Rochlitz, Freitag nach Sim. et Jud., den 31. Januar 1452, bekennet der Kurfürst Herrn von Weyßenbachs ehel. Weibe 700 röm. fl.von dem Gelde, das gedachter Hans und sein Bruder Heinrichauf der Stadt und dem Schlosse Zschopau haben (36). Es ist dies später das sogenannte Leibgut Margarethens, "Hans von Wyßenbachs Wittbe". 1452 lebte Hans von Wyßenbach noch. Er nennt sich in einer Urkunde d.d. Zschopau, 24. September 1452, Hans von Wißbach, Voigt zur Zschape. Dieses Aktenstück enthält einen Schied über die Jagdreviere des Kurfürsten und der Herren von Waldenburg. ... [siehe Link] Hieraus ersehen wir, daß auch Scharfenstein nicht mehr denen von Waldenburg gehört. Schon im Jahre 1427 belehnt Anarg von Waldenburg die Herren von Einsiedel mit Scharfenstein. Auch diese Lehen scheinen kurze Zeit darauf auf den Kurfürsten übergegangen zu sein. 1452 gibt es einen Hauptmann (Voigt) in Scharfenstein, Namens Hans Schocher (37)
Wie kommt aber Kurfürst Friedrich in den Besitz von Zschopau?In einer den 11. November 1457 ausgestellten Urkunde (38), in welcher Anarg von Waldenburg zu gunsten des Kurfürsten Friedrich auf die Lehen und Erbschaft des Schlosses, "Die Tzschape" genannt, mit dem Stetlin dafür gelegen, verzichtet (39), erfahren wir, daß dieser Schloß und Stadt von "Hans von Konricz (Könneritz) vor dry tawßend Rynische gulden czu sich kaufft vnd bracht hat". Die Abhandlung des Staatsministers a.D. Julius Traugott Jacob von Könneritz: "Heinrich von Könneritz und seine sechs Söhne" (40) sagen uns weiter, daß dieser Kauf anscheinend schon im Jahre 1449, mit Einwilligung Anargs vonWaldenburg, dem die Lehnsherrlichkeit hierüber zustand, abgeschlossen worden sei. Die eben aufgestellte Frage: In welchem Jahre und von wem hatte Heinrich von Könneritz diese Besitzung erkauft? vermag ich nur zur Hälfte zu beantworten. "Dasselbe Slos mit seinem Czugehorungen fürmals Hans von Konricz von Lippold von Watman vor funff und czwanczig hundert Rynische Gulden koufft hat."Diese Stelle der Urkunde beweist, daß Hans von Könneritz Schloß und Stadt Zschopau von Lippold von Walmann, oder, wie er in einer Urkunde vom 10. September 1428 (41) heißt, von "luppold watman czu Toberticz" gekauft hat. Wie dieser in den Besitz von Zschopau kam, weiß ich nicht. Der Kurfürst überließ wegen der rückständigen Kaufgelder von Zschopau und einer anderen Schuld Schloß, Amt und Vogtei Liebenwerda pfandweise dem Hans von Könneritz; worauf diesr unterm 14. Dezember 1449 über eine Zahlung quittiert.
Im Jahre 1454 machte der Kurfürst von seinem Wiederkaufsrecht an Zschopau Gebrauch und empfing, wie oben erwähnt, 145# die Lehnsherrlichkeit, auf die Anarg von Waldenburg laut Urkunde von 1457 verzichtet.
In der Erbeinigung des Königs Georg von Böhmen mit den Herzögen zu Sachsen zu Schutz und Hilfe ihrer Lande, dem sogenannten Egerschen vertrage vom 25. April 1459, heißt es wörtlich (42) : "und wollen wir yn tun mit aller vnser macht ongeuerde widder allermenniglich nymandes ausgenommen. von den sie angegriffen, gehindertoder beschädigt werden vnd die an irem fürstenthumb herschaft Erbegutern recht ere gewonheit lande ader luete geistlich oder weltlich, greiffen vnd in keynerweiß hinderunge ader beschedigung tun wollen, Bey namen an dem Lande und fürstenthumb zu Sachsen an der wale eyns Romischen koniges eyns kunftigen keysers das landt zu Meißen das Osterland vnd Voytland das lant zu Doringen
das Osterland das Voytland vnd die nachgeschrieben Sloß Stete Mergkte vnd lehen mit Namen Wittenberg Sloß - - - etc. vom Reich zu lehen rurende die hernach geschriben Sloß vnd Stete im lande zu Meißen mit Namen etc. - - Freyberg, Sloß vnd Stad, Wolckenstein Sloß vnd Stad, Scharffenstein Sloß, Schellenberg Sloß vnd Stadt, Oderan, Tzschape
Sloß vnd Stad, Kempnitz Stad vnd kloster dobei gelegen, Stolberg Sloß, Hayn
Sloß vnd Stad etc. - "
Wenn Märcker in seiner Geschichte "Das Burggraftum Meißen" S. 264 nachweist, daß im 14. Jahrhunderte die Lehnstücke leicht veräußerlich gewesen sind, so zeugt hiervon auch der vielfache Verkauf und Wiederverkauf des Schlosses und der Stadt Zschopau, aber für das 15. Jahrhundert.
Von nun an behalten die Wettiner die Lehnsherrlichkeit über Zschopau. Die weiteren Belehnungen ihrerseits sind entweder nicht erblich, oder sie betreffen nicht das Schloß und die ganze Stadt, sondern nur Teile der letzteren, oder auch Orte der Umgebung von Zschopau. So übergeben der Kurfürst Ernst und Herzog Albert ihrem Jägermeister zu Schellenberg Herrn von Reinsberg, das Schloß "Zschopa" auf sein leben, und die Zinsen zu Gelenau und "Hermßdorf", solange er in ihrem Dienst steht, im Jahre 1480 (43)
In der Teilung der Länder zwischen Ernst und Albert, den 26.August 1485 (44), wird auch Zschopau erwähnt. Die Teilung erstreckte sich nur auf Thüringen und Meißen, da Sachsen mit der Kurwürde in jedem Fall dem Ältesten gehörte. Über die anderen heißt es wörtlich: "Sust sind die andern land so uns beiden zugleich zustehen ein jeglichs mit seiner czugehorung in czwey teil gesetzt als hernach volget, Nemlich Meißen mit Lommatzsch - - - Kempnitz, Schellenberg, Odran, Zschopaw, Wulkenstein, Irnfriedesdorff, Geyer, Thum, Freiber etc. etc. Gegeben Leipczk vff Fritag nach Bartholomei apostoli annos domini millesimo quadringentesiomo quinto." Herzog Albert wählte Meißen, trotzdem für diesen Teil 100000 fl. extra herauszuzahlen waren, und wurde so alleiniger Landesherr auch der Zschopauer Bürger.
Sodann überläßt im Jahre 1506 der Herzog Georg Schloß Zschope mit Zubehör dem Jägermeister Hans von Reinsbergauf sein Leben (46) und verschreibt diesem noch 40 fl. Zinsen von Gornau und Witzschdorf (1515) (47). Auch die weiter unten angeführten Begnadigungen des Jägermeisters von Rüxleben müssen hier erwähnt werden.
Die Geschichte des Schlosses tritt nun zurück, sie erstreckt sich nur noch auf Bauten und Reparaturen. Es dient fortan als Jagdschloß.
Die Jägermeister von Reinsberg schrieben sich "aufm Schellenberge Jäger-Meister", trotzdem sie auch dort wohnten. So kommt es, daß"Reinhard von Reinsberg aufm Schellenberge" auf Herzog Moritzens Befehl an "Melchior Ruppolden 3 Königshufen Puschholz zwischen Ganßdorf und der Goldbach, welche mit dem von Stolberg rainet vor 260Rfl. gangbarer Fürstenmünze" hier verkauft. Es waren dies "Hölzer die vorher dem Kloster Chemnitz zugestanden;. Das gelöste Geld sollte zum Bauen des Schlosses Zschopau dienen und wurde auch dazu verwendet. Das »Bauregister« wurde im 1549. Jahre angefangen und Walpurgis 1550 beschlossen (48 )."
Eine weitere Reparatur des Schlosses fand vom 8. Februar bis 16. September 1651 statt. Anschlag: 151 fl. 2 gr. 8 Pfennige. Ausbesserung des Dachs und Verfertigung von Fensterladen: Dielen, Thüren und Fenster sollen mit vorgerichtet werden.
Über die weitere Geschichte des Schlosses siehe SimonS. 99-102,
Dr. Meinhold S. 33 flg.
Diese Zettel sind zum Teil kaum zu enträtseln. Man traut auch seinen Augen nicht, wenn man solche Rechnungen findet, wie die Glaserrechnung. Interessant ist das damals gebräuchliche Münz- und Ziffernsystem.